Newsletter Ausgabe 09, Sommer 2019


 

Wir stellen vor: »Meine Kita in Berlin«

Unsere Einrichtungen: Kita Ackerstraße

Mit Fantasie und Freude am Experimentieren

Wasser marsch!

Medientipp: Entfaltung à la Hengstenberg

 


 

Liebe Eltern, liebe Mitarbeiter/-innen

willkommen zur aktuellen Ausgabe des Vielfalters und zum neuen Kitajahr. Der Sommer ist für Kinder eine besonders abenteuerliche Zeit, wenn sie im Freien mit anderen die Welt spielerisch erkunden. Welche Bedeutung das freie Spiel und Bewegung für die Entwicklung von Kindern hat, stellen wir am Beispiel des Hengstenberg Projekts in der Kita Ackerstraße vor. Für ihr Sommerfest hat sich die Kita Märchenland etwas ganz besonderes einfallen lassen. Zusammen mit dem Wassermuseum gibt es ein tolles Programm mit erfrischenden Experimenten zum nassen Element. Einen schönen Sommer und viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen Gudrun König, Bereichsleiterin

 


Wir stellen vor

»Meine Kita in Berlin« ist ein gemeinsames Infoportal von Orte für Kinder GmbH und Kinder im Kiez GmbH. Beide Träger verfügen über jahrzehntelange Erfahrungen in der Erziehungs- und Bildungsarbeit mit Kindern. Auf der Plattform www.meine-kita-in-berlin.de bieten wir Interessierten und neuen Mitarbeiter/innen regelmäßig Informationen, Anregungen und Stellenangebote. Erzieher/innen und alle, die es werden wollen, finden mit dem Jobkonfigurator ihren Traumjob in einer unserer insgesamt 44 Einrichtungen in fünfzehn Berliner Bezirken. So einfach geht’s: Standort und Interessen auswählen, Größe der Wunschkita und Wochenarbeitszeit festlegen – und der Jobkonfigurator liefert den passenden Job.

 


Unsere Einrichtungen: Kita Ackerstraße

Die Kita Ackerstraße ist eine Institution in der Spandauer Neustadt. Seit 1985 können hier bis zu 115 Kinder in dem einstöckigen Gebäude mit dem großzügigen Abenteuergelände »Wildes Land« klettern, laufen, sich verstecken, im Sandkasten buddeln und vieles mehr. Vielseitige Förderangebote in allen Bildungsbereichen unterstützen die sprachliche, kreative und kognitive Entwicklung der Kinder. Seit 2012 ist die Einrichtung der Kitaleiterin Sylvia Turgay und ihrem Team als »Haus der kleinen Forscher« ausgezeichnet.

 

Frau Turgay, Sie arbeiten nach dem Prinzip der ganzheitlichen Pädagogik. Was heißt das konkret?

Damit ist gemeint, dass wir uns in der pädagogischen Arbeit nicht auf einen bestimmten Bereich konzentrieren. Zum Beispiel nur auf die Naturwissenschaft, Mathematik, Bewegung oder Sprache. Wir orientieren uns bei der Bildung der Kinder an ihren Bedürfnissen und Lebensbedingungen und legen ganz bewusst Wert darauf, dass die Kinder in ihrer ganzen Persönlichkeit gefördert werden.

 

Was zeichnet die Kita Ackerstraße besonders aus?

Im Zuge des Hengstenberg Projekts ist uns das Besondere unserer Einrichtung noch mehr bewusst geworden. Wir bieten diese geschützten Freiräume an. Das meint, dass die Kinder bei uns zwar fest zu einer Kindergruppe gehören, sie aber ganz viele Möglichkeiten haben, das Haus in allen Bereichen zu erkunden. Und das auch ohne Anwesenheit von Erwachsenen. Das deckt sich sehr mit dem Hengstenberg Ansatz, den Kindern Vertrauen zu schenken, ihnen was zuzutrauen und sie in ihrem eigenen Tempo wachsen zu lassen. Es hat ganz viele Jahre gedauert, bis wir das so entwickelt haben. Oft werden die Kinder darin behindert sich auszuprobieren, indem ihnen die Erwachsenen sagen »Mach das nicht, das ist zu gefährlich«. Das heißt natürlich nicht, dass wir sie in die Unfallgefahr reinschubsen.

 

In welchen Bereichen können sich die Kinder frei bewegen?

Dafür stehen ihnen der Turnraum, der Flur, unser großer Garten und ein Snoezelenraum zur Verfügung. Es geht bei uns nie ohne Fragen und Absprache mit der Erzieher/in im Unterschied zur offenen Arbeit. Die Kinder müssen sich auch mit den anderen Kindern einigen, mit denen sie zusammen spielen möchten. Die Erzieher/in entscheidet, wer wohin mit wem geht und klärt die Regeln ab. Bei den Krippenkindern ist sie dabei, weil die Kleinen die Bezugsperson noch brauchen. Im Elementarbereich ab drei Jahren wird es immer deutlicher, dass sie auch mal alleine spielen wollen. Früher waren Kinder viel mehr allein unterwegs und haben ihre eigenen Regeln entwickelt. Daran kann ich mich noch sehr gut in meiner Kindheit erinnern. Das machen unsere auch, sie sprechen sich ab, diskutieren miteinander und das ist was ganz Tolles.

 


Mit Fantasie und Freude am Experimentieren

Vor hundert Jahren weckte Elfriede Hengstenberg die Eroberungslust der Kinder mit einfachen Holzgeräten und freiem Spiel. Wir haben eine Bewegungsstunde in der Kita Ackerstraße besucht, die diesen Ansatz in ihren Kitaalltag integriert hat.

 

Yakub baut einen Turm aus Holzklötzen. Vorsichtig legt der Dreijährige einen auf den anderen bis der Stapel fast so groß ist wie er selbst. »Guck mal«, ruft er zu seiner Erzieherin Manuela Meyer hinüber, dann fallen die Klötze mit lautem Knall auf den Boden. Im großen Bewegungsraum der Kita Ackerstraße rennen, toben, klettern, kriechen und balancieren ein Dutzend Kinder auf Kippelhölzern, Hockern, Kisten, Balancier-und Kletterstangen und einer Stehleiter. Jeden Freitag ist für die Gruppe von Manuela Meyer freies Spiel und Bewegen angesagt, inspiriert von Elfriede Hengstenberg (1892–1992). Die Berliner Gymnastiklehrerin entwickelte einfache Holzgeräte, die die Experimentierfreude der Kinder herausfordern sollten. Das Grundprinzip für die Erwachsenen: sich zurückhalten und nicht eingreifen. Für die Kinder gibt es auch Regeln: nicht schubsen, jedes Kind darf klettern, wie es möchte, die Materialien gehören allen und es laufen alle barfuß.

 

»Einmal ist Lina in eine Kiste geklettert und wollte Hilfe beim Rausklettern. Nach einer Weile hat sie es allein geschafft«, erinnert sich Manuela Meyer. »Das muss man aushalten können, nicht zu helfen«. Ein weiteres Prinzip lautet: nicht loben! Dahinter steht die pädagogische Haltung, dass die Kinder etwas aus eigener Kraft schaffen, auf das sie stolz sein können ohne abhängig zu sein vom Lob und der Aufmerksamkeit von Erziehern oder Eltern. Manuela Meyer registriert deshalb den gebauten Turm von Yakub ohne ein lobendes Wort darüber zu verlieren. Und schon probiert der Junge was Neues aus, stellt einen Hocker mit der Sitzfläche nach unten in eine Holzkiste und klettert hinein. »Jede Stunde ist anders. Die Kinder denken sich immer etwas anderes aus«, erzählt die Erzieherin entspannt. Auch als der einjährige Niklas beginnt die Stehleiter hochzuklettern, beobachtet sie ihn gelassen, immer bereit ihn aufzufangen.

Vor zwei Jahren besuchte Manuela Meyer gemeinsam mit einer Kollegin aus dem Elementarbereich und der Kitalteiterin die zweitägige Fortbildung zum Hengstenberg Projekt. Das Wissen und wie das Material benutzt werden kann, haben sie an das Team weitervermittelt. Jede Gruppe der 3–6-Jährigen kann es einmal in der Woche ausprobieren. Den Eltern wurde das Konzept auf einem Elternabend vorgestellt, in der Eingewöhnungszeit erleben sie eine Bewegungsstunde mit. Die Resonanz ist positiv: »Heute sagte mir ein Vater, dass er froh sei, dass sein Sohn sich hier ausprobieren kann. Ihm fällt es schwer auszuhalten, wenn sein Sohn auf dem Spielplatz ein Gerüst hochklettert«.

 


 

Wasser marsch!

Die Kita Märchenland feiert ihr Sommerfest am 20. August ab 14 Uhr mit einem Wasserparcours des Berliner Wassermuseums. Die Kinder können an verschiedenen Wasserspielstationen selbstständig die erstaunlichen Eigenschaften des nassen Elements ausprobieren. Für das leibliche Wohl sorgt das Kitateam mit Getränken, Speisen und kleinen Leckereien. Familien und Gäste sind herzlich willkommen!

 


 

Medientipp: Entfaltung à la Hengstenberg

Bewegung und Spiel gehören zu den elementaren kindlichen Bedürfnissen, Erfahrungswelten und Ausdrucksmöglichkeiten. Vor allem in den ersten Lebensjahren beeinflussen sie maßgeblich die kindhafte Persönlichkeit. 26 Kitas aus Sachsen-Anhalt berichten sehr anschaulich und lebendig von ihren Erfahrungen mit dem »Spiel- und Bewegungskonzept à la Hengstenberg«. Nach einer Einführung in biografische und grundsätzliche Aspekte der Hengstenberg-Arbeit schildern Erzieher/innen »hautnah« die Entfaltungsprozesse vieler Kinder und veranschaulichen deren oft überraschende Entwicklung anhand zahlreicher Bilder. Auch die Reflexion der Erzieher/innen über ihre Arbeit und ihre Rolle bei der Begleitung ist ein Thema.

88 Seiten, das PDF kann unter diesem Link heruntergeladen werden. Empfohlen von Sylvia Turgay aus der Kita Ackerstraße

 

 


 

Herausgeber: Orte für Kinder GmbH, Geschäftsführer: Karsten Tamm, Michael Sadowski, Christian Hubert, Kopernikusstraße 23, 10245 Berlin, Telefon: 347 476 166, www.ortefuerkinder.de, Redaktion / Text: Anja Karrasch, Christoph Ziegler, redaktion@ortefuerkinder.de, Fotografie: Christoph Eckelt, Gestaltung: Bildmitte, Berlin 08/2019

 

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